Erziehungstraining & Bodenarbeit Pro Pferd

Auch beim Erziehungstraining, der Vertrauensarbeit und der weiterführenden Bodenarbeit ist mir der gerechte, pferdefreundliche Umgang Pro Pferd wichtig. Es steht die Vermittlung einer gemeinsamen Kommunikationsbasis an erster Stelle und nicht das "Gefügigmachen" oder "Dominieren" des Pferdes. Durch Motivation und kleine, dem Lerntempo des Pferdes (oder auch des Menschen) angepasste Schritte, erhält man sich und dem Pferd den Spaß am Training und fördert das Zusammenwachsen des Pferd-Mensch-Teams.

Da Pferde durch ihr Herdenverhalten Meister im Lesen von Körpersprache sind, halte ich es für übertrieben, als Mensch pferdische Bewegungen oder Mimik imitieren zu wollen (zumal uns dazu die wichtigsten Utensilien wie lange Ohren, langer Hals oder Schweif fehlen). Die Körpersprache und die Signale des Menschen sollten deutlich, klar und angemessen sein, werden aber bei der Beachtung einiger wichtiger und auch logischer Regeln vom Pferd gut verstanden und akzeptiert. Für das Pferd ist es nicht so wichtig, ob der Mensch versucht, „pferdisch" zu kommunizieren – es ist umso wichtiger, dass er lernt, die Signale des Pferdes richtig zu deuten und darüber hinaus authentisch, gelassen und bestimmt aufzutreten. Nichts ist verwirrender für ein Pferd als ein Mensch, der durch (schlechtestenfalls erst kürzlich) erlernte Bewegungsmuster versucht, etwas darzustellen, was er nicht ist. Selbst wenn es gelingt, gegenüber einem nach Autorität fragenden Pferd aufrecht und fest zu stehen, wird die Rangordnungsfrage nicht geklärt werden können, wenn der Mensch innerlich zögert oder nicht im Voraus sicher weiß, dass er nach Frage 1 und 2 auch Frage 3 und 4 des Pferdes zu seinen Gunsten beantworten kann. In solchen Fällen ist Konfliktvermeidung aus Sicherheitsgründen die erste Aufgabe. Denn man kann nicht „dieses eine Mal dann aber" konsequent sein. Konsequenz besteht nicht aus dem einmaligen Durchsetzen eines Anspruchs sondern in der Sicherstellung der ständigen Erfüllung dieses Anspruchs. Deshalb sind Ratschläge wie „Jetzt setz dich halt ein mal durch!" auch eher gefährlich als nützlich. Nach der Entschärfung des Konfliktes kann dann über viel Motivation, für das Pferd provokationslose Führarbeit und Vertrauensarbeit sich langsam an die Führungsfrage herangetastet werden. Dies kann sich durchaus über einen Zeitraum von mehreren Wochen erstrecken, denn problematische, festgefahrene Gewohnheiten des Pferdes hatten in der Regel auch lange Zeit, sich zu festigen.

Ebenso verhält es sich mit Pferden, die ihr Misstrauen gegenüber dem Menschen oder bestimmten anderen Dingen (Plastik, Pferdehänger, Wasser) über gewisse Zeit festigen konnten bzw. durch Fehlverhalten des Menschen darin bestärkt wurden. Auch hier gewinnt man nichts, wenn man das Pferd mit Druck immer wieder in die gleiche Angst auslösende Situation treibt. Unter Stress kann kein Lebewesen nachhaltige Lernerfahrungen machen, das ist wissenschaftlich bewiesen. Vielleicht erreicht man durch Druck, dass das Pferd höchst angespannt und gestresst in den Pferdehänger steigt. Jedoch wird es das niemals gerne tun, wird sein gespanntes Verhältnis zum Menschen nicht verbessern können und wird womöglich in anderen unsicheren Situationen im Vorfeld versuchen, dem Druck des Menschen zu entfliehen. Daher ist bei unsicheren Pferden wichtig, dass sie erst einmal Vertrauen aufbauen. Und zwar nicht zu Plastik, zum Pferdehänger oder zu Wasser sondern zu ihrem Menschen. Fühlt sich das Pferd durch ruhigen und gerechten Umgang, klar verständliche Signale und die Bestärkung jedes kleinen Lernfortschritts erst einmal sicher und verstanden, wird es auch mit deutlich mehr Gelassenheit den „Gespenstern“ des Alltags entgegentreten.

Ich halte nichts vom Brechen eines Pferdes durch ewiges Scheuchen im Round Pen oder Bezwingen des Pferdes durch Schmerz verursachende Hilfsmittel.

Trotzdem unterrichte ich kein „Tot-Streicheln". Bei allem Willen um gute Stimmung im Pferd-Mensch-Team und der besonderen Gewichtung von Lob und Motivation muss es auch klare Grenzen geben, die dem Pferd deutlich und vor allem emotionslos aufgezeigt werden müssen. Die passendste Strafe für eindeutig freches oder provokatives Verhalten von Seiten des Pferdes (Schnappen, Beißen, Treten, Umrempeln) lässt sich mit der Wirkung eines Stromzaunes verdeutlichen. Sofort, kurz, kräftig, emotionslos (d.h. höchstens durch ein scharfes „Nein" begleitet, aber nicht durch minutenlanges Schimpfen und am Strick zerren). Besser man zeigt sofort, dass etwas nicht geduldet wird, als das Pferd durch halbherziges Wegschieben oder Tadeln zum Überlegen zu bringen, ob der Mensch es nun zum Spiel auffordern wollte oder nicht. Womöglich wird es dadurch beim nächsten Mal gleich noch aufdringlicher werden, um einen Einstieg in das lustige Spiel „Wir schubsen oder kneifen uns gegenseitig" zu beginnen. Man darf sich hierbei gerne vorstellen, wie Pferde untereinander klar stellen, ob sie mitspielen wollen oder eben nicht.

Mit der richtigen Begleitung und Anleitung kann aber jeder Mensch lernen, für sein Pferd klar verständlich, gerecht und zu einem respektierten Freund zu werden (und nicht zu einem gefürchteten Herrscher oder lästigen Anhängsel).

Hierbei bin ich Ihnen gerne behilflich!

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